Immer wieder Ärger mit dem öffentlichen Personennahverkehr

Da ich kein Auto besitze, was beim Bezug von Grundsicherung auch schlecht möglich ist, bin ich, um halbsweg mobil zu sein, auf den ÖPNV angewiesen. Bisher hatte ich ein Sozialticket, Berlin-Ticket S (BVG, S-Bahn, DB Regio) für 27,50 €. Da darf ein Hund kostenlos mitgenommen werden. Es gilt aber nur innerhalb Berlins.

Dann erhielt ich einen Schwerbehindertenausweis . Ich beantragte das Beiblatt mit Werkmarke, was mir nun ermöglichte, bundesweit kostenlos den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Und der Hund? Ich fand heraus, dass lt. Tarifbestimmungen des VBB (Broschüre VBB-Tarif 2018, Stand: 01.08.2018) ein Hund unentgeltlich mitgenommen werde darf, im Tarifbereich des VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg). Das mache ich auch seit Februar 2017. Doch in letzter Zeit häufen sich die Probleme.

Bereits im Sommer hatte ich im Zug (ODEG) eine Auseinandersetzung mit einem Kontrolleur, der das nicht akzeptierte. Er sei Ausbilder, er kenne sich damit aus. Dass ich mich so aufrege, beweise doch nur, dass ich genau wisse, dass ich im Unrecht sei. Auf der Rückfahrt hat er sich entschuldigt, ich hätte recht gehabt. Na ja, ich habe das akzeptiert, obwohl ich nicht glaube, dass er sich sonst gegenüber Fahrgästen anders verhält. Aber gut.

Bei einer Kontrolle ein paar Wochen später habe ich den Text der Beförderungsbedingungen, den ich mittlerweile mit mir führe, laut vorgelesen. Da kam noch irgendwas von „wie man in den Wald hineinruft“ (???), aber dann war Schluss.

Letzte Woche geriet ich an zwei Kontrolleure, von denen einer wohl noch angelernt wurde. Wieder mal das gleiche Theater: Wo denn der Fahrschein für den Hund sei. Ich erklärte, dass der keinen bräuchte und verwies auf die Tarifbestimmungen des VBB. Die Kontrolleuse meinte dann, man könne ja nicht alles wissen… Etwas später, ich war bereits aufgestanden, um auszusteigen, fragte mich der Kontrolleur, ob ich denn jetzt zu einem Gespräch bereit sei. Na klar, wozu fährt man auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gegen eine nette Unterhaltung mit dem Kontrolleur ist ja nichts einzuwenden… Es ging wieder um den Fahrschein für den Hund. Er hielt mir eine Broschüre hin, ich zückte meinen Auszug aus den Beförderungsbedingungen. Er zeigte mir auf seinem Smartphone die Stelle, an der steht, dass der Hund einen Maulkorb tragen muss. Mein Hund trug einen Maulkorb. Dann ging es wieder darum, dass der Hund einen Fahrschein bräuchte. Ich zeigt ihm auf seinem Smartphone die Stelle in den Beförderungsbestimmungen, in der steht, dass er keinen braucht. Dann meinte er, ich hätte keine Zeitkarte. Ist „Inhaber von Schwerbehindertenausweisen mit Beiblatt und gültiger Wertmarke können einen Hund unentgeltlich mitnehmen“ irgendwie missverständlich? Was daran ist nicht zu verstehen? Daraufhin las er den nächsten Satz: „Diese Regelung gilt auch für schwerbehinderte Menschen, in deren Schwerbehindertenausweis die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson eingetragen ist…“ und meinte, ich hätte kein Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis. Mir schien, da ist Hopfen und Malz verloren und ich stieg aus. Als ich wieder zu Hause war, habe ich mich bei der ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn GmbH) beschwert. Bisher kam keine Antwort, wenn ich eine erhalte, werde ich diese hier veröffentlichen.

Die Antwort kam am 29.11.2018.

Was ich allerdings gestern, am 29.11.2018, erlebt habe, schlägt dem Faß den Boden aus. Ich kam mit dem Regionalzug aus Wittenberge und konnte am Zoo nicht umsteigen, da mein Fahrrad nicht in den Aufzug passte. Ich habe es auf verschiedene Arten versucht und als ich, das Fahrrad hochkant, endlich drin war, stand mein Hund noch draußen. Also bin ich mit dem nächsten Regionalzug zum Alexanderplatz gefahren, da der Aufzug am Bahnnof Friedrichstraße nicht funktionierte. Da hatte ich nämlich bereits auf dem Hinweg mein Fahrrad die Treppen hochschleppen müssen. Wegen meiner kaputten Bandscheibe wollte ich mir das auf dem Rückweg nicht nochmal antun.

Ich stieg also am Bahnhof Alexanderplatz um und in die U8 ein. Irgendwie hörte ich beim Einsteigen schon etwas von „köpek“, also Hund auf türkisch, und befürchtete Ärger. Den gab es dann auch. Und zwar durch eine Fahrscheinkontrolle: Ich hielt mit der einen Hand mein Fahrrad fest und mit der anderen die Leine von meinem Hund. Irgendwie gelang es mir, den Geldbeutel aus meiner Jacke zu holen und den Schwerbehindertenausweis sowie die Monatskarte für das Fahrrad herauszuholen. Der Kontrolleur sah sich den Schwerbehindertenausweis mit Beiblatt gründlich an, nahm beides in die Hand. Doch dann kam die Frage, die ich sonst eigentlich eher in der Regionalbahn zu hören bekomme, wo denn der Fahrschein für den Hund sei. Ich erklärte, wie immer, dass der keinen bräuchte, und zeigte den Auszug aus den Beförderungsbedingungen, in dem dieses steht. Ich wurde nun aufgefordert, auszusteigen, am U-Bahnnof Weinmeinsterstraße, obwohl ich bis Osloer Str. fahren wollte. Es waren drei Kontrolleure und ich kam der Aufforderung lieber nach, zumal einer der drei damit drohte, die Polizei zu rufen. Er tobte rum und drohte noch mehrmals mit der Polizei. Ich dachte, soll er die doch rufen, dann kann er der Polizei erklären, was das Ganze soll.

Kontrolle am 29.11.2018 in der Berliner U-Bahn

Er rief schließlich irgendwo an („Hier ist ein Herr, der hat ein weißes Blatt…“) und erhielt die Auskunft, dass ich für den Hund keinen Fahrschein brauche. Er tobte weiter, ich hätte das Beiblatt nicht gezeigt und so weiter. Ich solle doch ein Foto machen („Hast du Handy, machst du Foto“), was ich dann auch tat. Dann drohte er wieder mit der Polizei, Fotos zu machen sei verboten, er werde mich anzeigen… Ich löschte das Foto wieder. Dann machte er Fotos von mir, die er nicht löschte. Er führte sich insgesamt auf wie ein Irrer und ich gewann den Eindruck, dass er irgendetwas genommen hatte. Die anderen beiden Kontrolleure standen nur dabei und sahen zu. Ich durfte dann endlich mit der nächsten U-Bahn nach Hause fahren. Als ich schließlich zu Hause war, beschwerte ich mich per Kontaktformular bei der BVG. Mal sehen, ob da noch irgendeine Antwort kommt, falls ja, werde ich das hier veröffentlichen.

Wer solche Kontrolleure beschäftigt, kann sich eine Imagekampagne sparen. Ich werde mit meinem Hund erstmal keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen, das stehe ich nervlich nicht mehr durch. Spaziergänge im Humboldthain müssen reichen. Danke BVG, danke ODEG! Wenn man bedenkt, dass ich bei jeder Kontrolle meinen Schwerbehindertenausweis vorzeige… Was denken die eigentlich, was das ist? Eine Aufforderung zur Schikane?
Die Antwort auf meine Beschwerde erhielt ich am 21.02.2019 – also fast drei Monate später!

Der Schwerbehindertenausweis
„Wenn mit einem Bescheid eine Schwerbehinderung festgestellt wurde, kann das Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis ausstellen. Der Ausweis ist bundesweit gültig und dient als Nachweis für die Inanspruchnahme von Rechten und Nachteilsausgleichen.“ (https://www.berlin.de/lageso/behinderung/schwerbehinderung-versorgungsamt/schwerbehindertenausweis/)

VBB-Tarif, gültig ab 1. August 2018:
„5 Einzelbestimmungen
5.1 Mitnahme von Personen, Sachen und Tieren

5.1.2 Mitnahme von Hunden
Nutzer von Einzelfahrausweisen (auch 4-Fahrten-Karten oder Kurzstrecke) haben für jeden mitgenommenen Hund einen Einzelfahrausweis des Ermäßigungstarifs der jeweiligen Tarifstufe zu lösen und ggf. zu entwerten. Hiervon ausgenommen sind kleine Hunde in geeigneten Behältnissen gemäß Teil A, § 12 Absatz 2 Satz 1.
Nutzer von Tageskarten, Kleingruppen-Tageskarten, Gruppentageskarten für Schüler, Inhaber von Zeitkarten sowie Inhaber von Schwerbehindertenausweisen mit Beiblatt und gültiger Wertmarke können einen Hund unentgeltlich mitnehmen.
Diese Regelung gilt auch für schwerbehinderte Menschen, in deren Schwerbehindertenausweis die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson eingetragen ist, auch wenn sie ohne Begleitperson fahren. Blindenführhunde, die einen Blinden begleiten, werden generell unentgeltlich befördert.
Bei Nutzung von VBB-Umweltkarten, Kleingruppen-Tageskarten und Gruppentageskarten für Schüler wird die Einschränkung auf unentgeltlich mitzunehmende Hunde unabhängig von der Anzahl der auf dem Fahrausweis fahrenden Personen jeweils auf die Zahl eins festgelegt.“

Broschüre VBB-Tarif 2018 (Stand: 01.08.2018)

Und wer es immer noch nicht glaubt, dem empfehle ich die Tarifberatung des VBB unter der Tel.-Nr. (030) 25 41 41 41.

Nachtrag: Bei der Nordwestbahn fährt der Hund nicht unentgeltlich mit. Das hat mich Anfang des Jahres 2018 60 Euro gekostet. Seitdem mache ich einen Bogen um diese Bahn, was nicht weiter schwierig ist, da ich weit entfernt wohne.

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